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IYPT (International Young Physicists' Tournament)

Das International Young Physicists' Tournament (IYPT) ist ein internationaler Physik-Wettbewerb der zwischen Teams aus verschiedenen Ländern, jedes Jahr in einem anderen Gastgeberland, ausgetragen wird.

Jedes eingeladene Land entsendet ein Team, das Gastgeberland darf mit zwei Teams teilnehmen. Die Teams bestehen aus jeweils fünf Schülerinnen und Schülern weiterführender Schulen (keine Universitäten), wobei ein Schüler (Captain) das Team während der Physics Fights repräsentiert. Jedes Team wird durch zwei Lehrer betreut.

 

 

Live aus Singapur:
https://cc.gypt.org/ticker

Florian Ostermeier, Wettbewerbsleiter des Deutschen Vorentscheids (GYPT), berichtet live aus Singapur.


Tägliche Berichte direkt aus Singapur
(vom Wissenschaftsjournalisten Jan Oliver Löfken)


logo 10.07.2017

Finale – Deutsches Team gewinnt Silbermedaille auf Physik-Weltcup
Favorisiertes Team aus Singapur schafft erneut Turniersieg vor China, Polen und Ungarn

Das Finale des Physik-Weltcups IYPT ist immer etwas besonders. Jedes Team darf seine besten Experimente und theoretischen Analysen präsentieren. Dieses Jahr qualifizierten sich nach fünf Wettkampfrunden die Schülergruppen aus Ungarn, Polen, China und Singapur. Das deutsche Team um Kapitän Raymond Mason konnte während des Turniers zeitweise auf eine Finalteilnahme hoffen. Dieses Ziel verfehlten sie nach einigem Auf und Ab jedoch knapp. Dennoch freute sich die deutsche Fünf über den nach beeindruckenden Wettkämpfen erreichten guten 6. Platz. Ein Rang, der mit der Silbermedaille belohnt wurde.

Im prall gefüllten Hörsaal an der National University of Singapore startete das Team aus Ungarn in das Finale. Sie wählten die verblüffenden Bewegungen eines Balls in einem mit Flüssigkeit gefüllten und zugleich rotierenden Rohr. Gegen die kritisierenden Gegner aus Polen und China konnten sie sich allerdings wenig behaupten und schlossen diesen Wettkampf mit einer zwar guten Leistung, aber dennoch niedrigsten Punktzahl ab. Ebenso erging es darauf dem polnischen Team, das sich einer mit einem Staubsauger angetriebenen Luftkanone für kleine Projektile widmete.

So lief der Wettkampf wie von vielen vorher bereits erwartet auf ein Punkteduell zwischen Singapur und China hinaus. Das chinesische Team legte mit einer sehr beeindruckenden Beschreibung eines Teleskops aus nur einer Linse und einer Lochblende vor. Belohnt wurden sie mit einer überdurchschnittlich hohen Wertung, die das Team aus Singapur in ihrer Rolle als Kritiker nur ganz knapp übertraf. Das Team aus Ungarn schlug sich zwar wacker, lag aber auch bei diesem Wettkampf hinter den beiden Favoriten zurück. „Mit Ungarn und Polen hätten wir – vor allem bei den vergleichenden Reviews – locker mithalten können“, sagt Sebastian Friedl aus Bayreuth.

Der allerletzte Wettkampf des diesjährigen IYPT-Turniers musste also die Entscheidung bringen. Nach bereits gut vier Stunden und einigen technischen Problemen mit den Mikrofonen trug Singapur seine Lösung zu sternförmigen Tropfen auf einer heißen Unterlage vor. Dabei oszillierte die Sternstruktur der auf einem Dampfkissen schwebenden Tropfen eindrucksvoll. Sowohl die Experimente als auch die selbst entwickelte Theorie begeisterte Publikum und Jury. So wurde der Schüler aus Singapur mit der höchsten Wertung des Turniers belohnt und sicherte seinem Team den Gesamtsieg. Damit gewann Singapur das fünfte Mal in Folge diesen spannenden, internationalen Wettbewerb. „Singapur hat sehr verdient gewonnen“, sagt Waleed El-Kishawi. Mit tollen Experimenten und guter Theorie sei fast nichts daran auszusetzen gewesen, so der Schüler aus Schwelm. „China war aber auch gut“, ergänzt Kapitän Raymond Mason.

Nach dieser langen und harten Endrunde folgte nach einem kurzen Imbiss die Abschlusszeromonie mit Preisverleihung. Sichtlich stolz nahmen die Fünf aus Deutschland ihre Silbermedaillen entgegen. Am Abend folgte die Abschlussfeier, bei der sich die Schülerinnen und Schüler aus aller Welt endlich ohne Wettbewerbsdruck näher kennenlernen konnten. Viele von ihnen könnten auch kommendes Jahr wieder dabei sein. Dann lädt China die Physik begeisterte Jugend der Welt in seine Hauptstadt Peking ein.

So könnte Auguste Medert ihre Erfahrungen wieder einbringen – und ihren immer wieder aufbauenden Optimismus. „Im September schaue ich mal, ob ich nochmal teilnehmen werden“, sagt sie. „Im Sommer werde ich erstmal entspannen“, plant Sebastian Friedl. „Doch werde ich mir mal die Aufgaben anschauen und dann überlegen, ab Anfang September ordentlich etwas rauszuhauen.“ „Große Lust hätte ich schon“, sagt der in Diskussionen bewährte Teamkapitän Raymond Mason. Aber er wisse jetzt noch nicht, ob er nächstes Jahr dabei sein werde. Denn er liebäugelt abermals mit der Schülerkonferenz „Modelling United Nations“ – einer Simulation hochrängiger internationaler UN-Konferenzen –, die er bereits dieses Jahr in München maßgeblich mit organisiert hat. Birk Magnussen wird den Physiktunieren in Deutschland und auch international treu bleiben. Allerdings nicht als Teilnehmer, sondern als Betreuer in Kassel und Juror. Parallel beginnt er im Wintersemester sein Studium in den Fächern Elektrotechnik und Informatik. Und Theorie-Joker Waleed? „Ich studiere erstmal Physik, wo genau weiß ich noch nicht, wahrscheinlich in Dortmund.“

Bilder: © DPG / Löfken 2017


logo 09.07.2017

Letzter IYPT-Wettkampftag vor dem Finale
Das deutsche Team sichert sich mit gutem Schlusskampf den 6. Platz
Schülergruppen aus vier Ländern – Singapur, China, Ungarn und Polen – stehen im Finale


Nach dem Auf und Ab am vierten Tuniertag des Physik-Weltcups IYPT hatte das deutsche Team um Kapitän Raymond Mason nur noch eine hauchdünne Chance auf eine Finalteilnahme. Ein sehr starker Wettkampf war dazu ebenso nötig wie eine eher schwächere Leistung der konkurrierenden Schülergruppen. Noch dazu galt es, sich im direkten Vergleich gegen die hoch favorisierten Schüler aus Singapur und gegen das bereits abgeschlagen auf dem letzten Platz liegende Team aus Aserbeidschan zu behaupten.

Raymond Mason trat an diesem Vormittag als Erster in die Arena. Er präsentierte klar, knapp und schlüssig, wie die Töne in einer selbstgebauten Tröte mit Gummimembran entstehen. Seine Erläuterungen zu Frequenz und Lautstärke der Trötentöne traf wie erwartet auf die starke Opposition von Wang Huajin aus Singapur. Tapfer hielt Raymond Mason den teils aggressiven Angriffen stand. Waleed El-Kishawi aus Schwelm sprang ihm bei kniffligen Theoriefragen bei. Doch musste sich das deutsche Team Singapur geschlagen geben, überflügelte aber den Beitrag des Schülers aus Aserbeidschan bei Weitem. „Wir haben uns heute morgen gut geschlagen“, fasst Auguste Medert aus Langenau zusammen.

Im zweiten Wettkampf der fünften Turnierrunde legte das Singapur-Team mit seiner Präsentation so dynamisch los wie bereits im ersten Wettkampf. Rachel Pang stellte ihre Experimente zur so genannten Hui-Maschine vor. Bei diesem nur scheinbar simplen Kinderspielzeug gerät ein kleiner Propeller am Ende eines geriffelten Holzstabs in Drehung, wenn ein Stöckchen über die Riffel gestreift wird. Der Schüler aus Aserbeidschan konnte der physikalischen Wucht aus Singapur nichts entgegensetzen. Allein Raymond Mason versetzte mit seinen Nachfragen das Singapur-Team in Hektik, die dank intensiver Teamarbeit diesen Wettkampf dann trotz guter Wertung für Deutschland doch noch für sich entschieden.

Einen beeindruckenden Abschluss im diesjährigen IYPT-Turnier setzte der immer wieder als Theorie-Joker und Experte für alle Fälle eingesetzte Waleed El-Kishawi. So hatte er rein fachlich ein leichtes Spiel mit dem Gegner aus Aserbeidschan, der sich ein verblüffendes Mechanikproblem ausgesucht hatte. Denn eine Ministrickleiter mit verwinkelt angebrachten Spossen fällt schneller zu Boden als eine Version mit gerade befestigten Sprossen. Die Diskussion war dennoch nicht einfach. Nicht wegen der aserbeidschanischen Argumente, sondern schlicht weil der Gegner den guten und fundierten Fragen gar nicht erst folgen konnte. Diese Vorlage nutzte auch der Schüler aus Singapur als Kritiker der Diskussion. Am Schluss räumte Waleed El-Kishawi eine hohe Wertung ab, die weit über den Noten für Aserbeidschan, aber knapp unter denen für Singapur lag.

Nach diesem guten und ehrenvollen Abschluss lag das deutsche Team auf Platz 6. Denn Polen – Platz 3 – und Neuseeland – Platz 5 – erkämpften sich ihre höchsten Wertungen des Turniers und Ungarn hielt sich wacker auf Platz 4. Auf Platz 1 verharrten Singapur, gefolgt von China. „Aber unschlagbar ist Singapur nicht“, sagt Kapitän Mason. Man müsse nur noch stärker an den eigenen Präsentationen arbeiten. Und die Schüler aus Singapur redeten zu oft ohne Pause. „Die wollen halt möglichst viel von ihrem Vorbereitungen unterbringen“, sagt Raymond Mason. „Die sind schon schlagbar“, ergänzt Waleed El-Kishaw in seiner knapp-trockenen Art. „Nun bin ich besonders gespannt auf Singapur gegen China – beide super Teams,“ sagt Birk Magnussen. Dennoch sei es schade, nicht im Finale zu sein.

Doch erstmal konnten sich alle Teams am Nachmittag eine wohlverdiente Verschnaufpause gönnen. Die Veranstalter aus Singapur luden die Schüler aus aller Welt in die imposante Gartenlandschaft „Gardens by the Bay“ ein. Auf dem erst vor wenigen Jahren dem Meer abgerungenen Gebiet stehen zwei voll klimatisierte Hallen mit beeindruckender Bogenarchitektur. Die eine zeigt Blumen aus aller Herren Länder bei angenehmen 20 Grad, die zweite einen künstlichen Nebelwald mit Wasserfall und tiefgrüner Vegetation. „Das ist schon ganz schick“, sagt Birk Magnussen, „so etwas haben wir in Deutschland nicht.“ „Die Gewächshäuser sind für mich ein bisschen zu kühl“, wirft gewohnt nüchtern Sebastian Friedl aus Bayreuth ein. „Mich verwundert der enorme Aufwand“, sagt Auguste Medert. Eine rasante, mit Musik untermalte Lichtshow im Hain der künstlichen „Supertrees“, auf die Singapur sehr stolz ist, rundete den Ausflug ab.

Bilder: © DPG / Löfken 2017


logo 08.07.2017

Achterbahnfahrt in Singapur
Die deutsche Schülergruppe um Kapitän Raymond Masen muss am Tag des Doppelwettkampfs empfindliche Rückschläge wettmachen

Der dritte Turniertag des Physik-Weltcups IYPT hatte es in sich. Alle Teams mussten heute gleich zweimal in die Arena und mit ihren lange geübten Präsentationen gegeneinander antreten. Sechs Fights – so der IYPT-Slang –, jeder länger als eine Stunde, verlangten höchste Konzentration. Das deutsche Team um Kapitän Raymond Masen aus München startete voller Tatendrang. Galt es doch, den nur knappen Vorsprung von China, das noch auf dem dritten Platz lag, aufzuholen und den Weg ins Finale zu ebnen. Doch es kam anders als gewünscht.

Sebastian Friedl aus Bayreuth war als Erster an der Reihe. Er freute sich schon, mit seinem Vortrag über eine Luftkanone, die nur mit der Saugkraft eines Staubsaugers kleine Projektile stark beschleunigen kann, wichtige Punkte für das Team zu sammeln. Nach einer lebendigen Diskussion mit den Schülern aus Großbritannien und Tschechien zeigte sich die Jury allerdings sehr kritisch und kreidete Sebastian den Tausch von einem Staubsauger gegen eine Vakuumpumpe an. So musste sich das Team beiden Gegnern geschlagen geben. Ein unerwarteter Dämpfer für die Fünf aus Deutschland. Doch Auguste Medert aus Langenau fand das richtige Mittel und steckte das Team mit ihrem Optimismus an. „Wir hatten ein kleines Tief, haben uns aber gut wieder gefangen“, sagt die Siebzehnjährige.

Die Belohnung fürs Durchhalten folgte auf dem Fuße. Im zweiten Wettkampf legte Raymund Mason Schwächen bei Briten wie Tschechen offen. Deren Erläuterungen zu mehreren, Takt schlagenden Metronomen, die ihre Bewegung unter bestimmten Bedingungen synchronisierten, ließ auch bei der Jury einige Fragen offen. So ergatterte der Teamkapitän die mit Abstand höchte Wertung. Direkt danach glänzte Auguste Medert im Wettstreit um die beste Erklärung der verblüffend starken Haftkraft, die ein dünner Wasserfilm zwischen zwei Glasplatten verursachen konnte. Auf eine heikle Frage eines Jurors sprang Theorie-Joker Waleed El-Kishawi ein und überzeugte mit einer runden, stimmigen Antwort. Wieder lag die deutsche Gruppe deutlich vor den britischen und tschechischen Schülern und heimste nach den beiden guten Vortagen den dritten Rundensieg in Folge ein. „Auguste hat uns in der dritten Runde gerettet“, fasst der Kasseler Birk Magnussen zusammen. „Ein brillanter Wettkampf“, lobte auch der slowakische Juryvorsitzende Martin Plesch, obwohl er zuvor bei der Punktevergabe an Sebastian Friedl und Raymond Mason alles andere als großzügig war.

Parallel hatte aber auch das Team aus China eine respektable Leistung hingelegt und konnte die weiter viertplatzierten Deutschen gerade mal mit einem bescheidenen Punkt auf Abstand halten. Gute Voraussetzung also, um in der vierten Turnierrunde am Nachmittag die Aufholjagd abzuschließen. Diesmal traten die Schülergruppen aus Südkorea und Weißrussland gegen die deutsche Fünf an. „In den vierten Fight sind wir voller guter Dinge gestartet“, sagt Auguste Medert. „Und Raymond erfüllte seine Rolle als Reviewer sehr gut. Erstaunlicherweise“, ergänzt sie. Denn das physikalische Problem um einen Kreisel, der aufgehängt an einer Gitarrensaite selbst als Ganzes Kreisbahnen beschrieb, gehörte nicht zu den Lieblingsthemen des deutschen Teams. Doch abermals konnte Waleed El-Kishawi aus Schwelm seine tiefen Theoriekenntnisse unter Beweis stellen und Raymond Mason in den entscheidenen Momenten unterstützen. „Waleed ist wirklich ein Genius“, lobt Kapitän Mason. „Wenn eine Frage kommte, überlegt er schnell und holt mit der richtigen Antwort Punkte.“

Tanzende Wassertropfen auf einer über 200 Grad heißen Platte standen im Mittelpunkt des nächsten Wettstreits. Abhängig von ihrer Größe formten die Tropfen pulsierende Sterne mal mit drei, mit sieben oder 13 Zacken. Auguste Medert nahm die weißrussische Präsentation zu diesem so genannten Leidenfrost-Phänomen genau unter die Lupe. Ihre ordentliche Leistung wurde mit halbwegs guten Noten bewertet, die aber nur knapp besser waren als die der Gegner. Mehr Punkte wollte die Schülerin aus Langenau direkt danach mit ihrer Interpretation der aneinander haftenden Glasplättchen holen. Denn mit diesem Thema glänzte sie ja bereits am Vormittag in der Rolle als Kritikerin. Trotz ihres lebendigen Vortrags und abermaligen Einsatzes von Theorie-Joker Waleed El-Kishawi, hoben einige Juroren aber stark auf wenige Schwächen ab. Das ganze Team blickte auf die überraschend tiefe Punktzahl, mit der es sich diesmal geschlagen geben musste. „Die Kritikpunkte waren klar“, gibt Auguste Medert zu. Doch die Punktevergabe der Juroren konnte sie nicht nachvollziehen.

Nach diesem Rückschlag mit bescheidenem Punktgewinn schwanden die Hoffnungen auf eine deutsche Finalteilnahme. Denn die führenden Schüler aus Singapur konnten ihre Spitzenstellung eindrucksvoll ausbauen. Die Chinesen legten auch noch einen Schlag zu und verdrängten die Ungarn vom zweiten Platz im Gesamtklassement. Zugleich machte das polnische Team in der 4. Wettkampfrunde fünf Plätze gut und schoben sich mit 0,2 Punkten Vorsprung vor die Deutschen auf den vierten Platz. Eine hauchdünne Chance auf das Finale bleibt Raymond Mason und seiner Truppe aber noch erhalten. „Wenn wir noch ins Finale wollen, müssten wir morgen unglaublich gut sein“, sagt Birk Magnussen. Allerdings treten sie gegen die starken Favoriten aus Singapur an. „Da haben wir schon große Lust drauf“, sagt Kapitän Mason. „Von denen können wir sicher noch viel lernen.“

Bilder: © DPG / Löfken 2017


logo 07.07.2017

Deutsches Team schließt zur Spitzengruppe auf
Die Schülergruppe setzt sich im Wettstreit gegen die Schweiz und die Slowakei erneut durch.

Die Aufholjagd hat begonnen. Von einem guten 6. Platz im Gesamtklassement des Physik-Weltcups IYPT startete das deutsche Team um Kapitän Raymond Mason aus München in die zweite Tunierrunde gegen die Schülergruppen aus der Schweiz und der Slowakei. Dank kritischer Nachfragen, überzeugender Präsentationen und knapper, korrekter Antworten auf die Fragen der Jury schoben sich die Fünf auf den 4. Platz vor, mit nur noch hauchdünnem Abstand zum Drittplatzierten.

„Heute war ein schöner Tag“, sagt Auguste Medert aus Langenau. „Nach der Hälfte hatten wir ein kleines Tief, haben uns aber nochmal zusammengerissen.“ Das Signal zum Punktesammeln setzte zu Beginn Raymond Mason, der die Präsentationen der Schweizer und Slowaken kritisch beurteilen musste. Seine Sichtweise zu den verblüffenden Bewegungen eines kleinen Balls in einer rotierenden und mit Flüssigkeit gefüllten Röhre überzeugte die Jury. So sicherte er sich in diesem Abschnitt die höchste Einzelwertung, die bisher im diesjährigen Wettbewerb vergeben wurde.

Im zweiten Wettkampf entdeckte Waleed El-Kishawi aus Schwelm Schwachpunkte in der Präsentation der Schweizer. Sie widmeten sich der faszinierenden Entwicklung von Spiralwellen in einer Flüssigkeit auf einem rotierenden Teller. Waleed El-Kishawi bewies vor allem mit seinen Antworten auf kritische Juryfragen, dass er die komplexe Theorie dieses Phänomens durchweg erfasst hatte. Belohnt wurde er mit einer vergleichbar hohen Wertung wie am Vortag. Im dritten Wettkampfteil erläuterte Raymond Mason sein Experiment mit einem einfach aufgebauten Teleskop aus nur einer Linse und einer Lochblende. Das slowakische Team wies zwar auf einzelne Lücken hin, doch behielt Raymond Mason am Ende knapp die Nase vorn. „Dazu haben wir auch heute die Kooperation im Team gut ausgeschöpft“, sagt er.

Mit dem zweiten Sieg in der zweiten Runde gewinnt der nächste Tag mit gleich zwei Wettkämpfen eine große Bedeutung. „Morgen wird es nochmal ganz spannend“, sagt Sebastien Friedl aus Bayreuth. „Aber es könnte für zwei Siege reichen.“ Der Nachmittag kam einigen Teammitgliedern daher zur Erholung und Vorbereitung gerade recht. Birk Magnussen ließ sich von einem Einblick in die Physiklaboren der National University of Singapore begeistern. „Am beeindruckendsten war das Gravieren von Strukturen auf einem atomar flachen zweidimensionalen Material mit einem Laser“, sagt der Kasseler Schüler.

Vor dem deutschen Team liegt nun nur noch die Spitzengruppe mit dem führenden Singapur-Team, gefolgt von den Schülern aus Ungarn, die heute wie die Deutschen zwei Plätze gut gemacht haben. Zwei Plätze eingebüßt hat dagegen das gestrige Spitzenteam aus China. Beeindruckt hat auch die Gruppe aus Polen, die vom 13. Platz ausgehend sich nun den sechsten Platz erkämpft hat. Die Schüler aus Brasilien schafften sogar einen Sprung von Platz 21 auf Platz 8. So ist nach dem zweiten Wettkampftag noch vieles offen. „Morgen spielt auch etwas Glück mit hinein, je nachdem, welche Themen von uns gefordert werden“, sagt Raymond Mason. „Aber wir treffen auf Gegner, gegen die wir ankommen sollten“, ergänzt Auguste Medert.

Bilder: © DPG / Löfken 2017


logo 06.07.2017

IYPT 1. Wettkampftag & Eröffnungszeremonie
Physik-Weltcup IYPT in Singapur – Deutsches Team startet souverän in den Wettbewerb

Erster Wettkampf gegen Schüler aus Schweden und Georgien klar für sich entschieden – 6. Platz im Gesamtklassement.

Zum 30. Mal traten heute Schülergruppen aus aller Welt zum International Young Physicists' Tournament, kurz IYPT genannten Physik-Weltcup an. Aus insgesamt 31 Staaten reisten die Physik begeisterten Schülerinnen und Schüler ins schwül-heiße Singapur, um sich in fünf Wettkampfrunden und einem Finale an der National University of Singapore zu messen. Die renommierteste Hochschule Asiens ist stolz, diesen illustren Wettbewerb auf seinem Campus ausrichten zu dürfen. „Es gibt nichts mehr, was das IYPT noch stoppen könnte“, sagt Gründer und Vordenker Evgeni Junosov aus Russland auf der Eröffnung mit beeindruckenden Showeinlagen einer traditionellen Trommelkombo und Tänzern in rotgoldenen Drachenkostümen.

„Wir haben uns über Monate sehr gut vorbereitet und die vergangenen Wochen intensiv geübt“, sagt Teamkapitän Raymond Mason (16) aus München. Ihm zur Seite stehen Auguste Medert (17) aus Langenau, Birk Magnussen (17) aus Kassel, Waleed El-Kishawi (18) aus Schwelm und Sebastian Friedl (16) aus Bayreuth. Nach dem 2. Platz des deutschen Teams im Vorjahr im russischen Jekaterinburg sind die Fünf hoch motiviert, im Wechselbad zwischen Hitze und Monsunschauer, asiatischem Essen und stark klimatisierten Hörsälen ihr Bestes zu geben. „Es wäre schon schön, das Finale zu erreichen“, sagt Birk Magnussen, „aber vor allem wollen wir den Wettbewerb genießen.“

Ihre Freude an der Physik bewiesen die fünf aus Deutschland in der ersten Wettkampfrunde gegen die Schüler aus Schweden und Georgien. Kapitän Raymond kritisierte klar und fachlich versiert die schwedische Präsentation zu mehreren, Takt schlagenden Metronomen, die ihre Bewegung unter bestimmten Bedingungen synchronisierten. Birk überzeugte die Jury mit seinen Versuchen mit einer so genannten Schlierenkamera, mit der sich kleinste Dichteänderungen in der Luft sichtbar machen lassen. Und schließlich glänzte erneut Raymond mit seiner Beurteilung der schwedisch-georgischen Diskussion um ein simples Plastikrohr, das sich mit einem angeschlossenen Staubsauger zu einer Luftkanone für kleine Projektile verwandeln ließ. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Auguste nach dieser Wettkampfrunde, „besonders zum Schluss hat jeder seine Funktion gefunden und zu einer tollen Teamarbeit beigetragen.“

Gute Teamarbeit, ein exzellentes Physikverständnis und überzeugende Präsentationen auf Englisch sind auch in den kommenden Tagen gefragt. Mit dem 6. Platz (38,9 Punkte) im Gesamtklassement hat sich das deutsche Team eine gute Ausgangsposition für die weiteren Wettkämpfe gesichert. An der Spitze liegt derzeit das Team aus China (45), gefolgt von Gastgeber Singapur (43,4) und Neuseeland (40,9). Doch das führende Dutzend der Schülergruppen liegt nach Punkten noch sehr nah beisammen, so dass das deutsche Team gute Chancen hat, sich weiter in Richtung Spitze zu bewegen.

Von den 17 Aufgaben https://www.gypt.org/aufgaben.html wurden heute folgende drei behandelt: 8, 16, 17

Bilder: © DPG / Löfken 2017


Aufgabenstellung

In Vorbereitung auf das Turnier werden jährlich 17 „offene“ Aufgaben von einem Internationalen Komitee (International Organizing Committe) festgelegt und im Frühherbst im Internet veröffentlicht (www.iypt.org). Die Aufgaben stammen aus vielen Bereichen der Physik, oft sind auch Aufgaben aus anderen Naturwissenschaften dabei.

Teams

Die Teams bearbeiten in Vorbereitung auf das IYPT diese Fragestellungen, wobei es darum geht, kreative, schlüssige Lösungsvorschläge zu finden und diese überzeugend als Reporter-Team zu präsentieren. Ein gegnerisches Team (Opponent) diskutiert in einem sogenannten Physics Fight diesen Vorschlag mit dem Reporter-Team. Ein weiteres Team beobachtet den Fight und beurteilt als Reviewer-Team sowohl Reporter als auch Opponent. Alle Teams nehmen an fünf Physics Fights teil, wobei sie als Reporter, Opponent oder Reviewer auftreten. Einer internationalen Jury bewertet nach jedem Fight alle beteiligten Teams. Dabei werden Noten von 1 bis 10 vergeben, die je nach der Rolle, die das Team im Fight eingenommen hat, eine unterschiedliche Gewichtung haben.

Seit dem Jahr 2014 wird das deutsche Team in einem eigenen Wettbewerb einige Monate vor dem IYPT ermittelt. Beim German Young Physicists' Tournament (GYPT) kämpfen die Schülerinnen und Schüler nach ähnlichen Regeln wie beim IYPT. Es werden dieselben Aufgaben bearbeitet wie später beim IYPT. Aus den besten GYPT-Teilnehmern wird schließlich die deutsche Nationalmannschaft zusammengestellt.

Das IYPT 2017 findet im Juli in Singapur statt.


Die offiziellen Informationen zum International Young Physicist's Tournament finden Sie unter www.iypt.org. Einen Bericht um IYPT 2016 finden Sie unter www.pro-physik.de

Bild: Die deutsche Nationalmannschaft des International Young Physicists' Tournament 2016, die einen zweiten Platz und eine Goldmedaille errungen hat. Das Team hat sich zuvor im German Young Physicists' Tournament qualifiziert.; Foto: Felix Wechsler


Schülerinnen- und Schülerpreis

Der Preis wird an Schülerinnen und Schüler für besondere physikalische Leistungen verliehen. Er wurde 1982 - 91 von der Physikalischen Gesellschaft der DDR vergeben und von der DPG übernommen. Die fünf besten deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der jährlichen Physik-Olympiade sowie des International Young Physicists' Tournament werden ausgezeichnet.

Die Auszeichnung besteht aus:

  • einem Preisgeld von 500 €
  • einer Urkunde
  • einem Jahres-Abonnement der Mitgliederzeitschrift der DPG
  • einer Einladung zur DPG-Jahrestagung

Preissatzung

bisherige Preisträger/innen


 
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